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Teil-Projekt Sprachbarriere - (K)ein Problem?

Teil-Projekt "Sprachbarriere - (K)ein Problem? Lösungsstrategien Wiener Kinderärztinnen" 

Projektleitung: Mag. Sabine Parrag, MMag. Katharina Leitner

Projektmitarbeit: Christine Rebernig

Projektwerber: Institut für Ethik und Recht in der Medizin

Projektfinanzierung: Eigenmittel Institut für Ethik und Recht in der Medizin

Geplante Laufzeit: Oktober 2012 – April 2013 (Projekt bereits abgeschlossen)

Dreißig Prozent der Wiener Bevölkerung weisen einen Migrationshintergrund auf und viele dieser Menschen haben Deutsch nicht als Muttersprache. Obwohl ein Großteil dieser Personengruppe dennoch fließend oder zumindest ausreichend gut Deutsch spricht, um sich in Alltagssituationen verständigen zu können, liegt es auf der Hand, dass sich oft ÄrztInnen und PatientInnen nicht verständigen können.

Daraus ergibt sich die Frage, welche Rolle Sprachkenntnisse bei der Behandlung im niedergelassenen Bereich spielen und welche Lösungsstrategien ÄrztInnen und PatientInnen anwenden, um Sprachbarrieren zu überbrücken.

Durch qualitative halbstandardisierte Interviews mit Wiener KinderärztInnen konnten im Wesentlichen sechs Lösungsstrategien eruiert werden, welche zwar den ÄrztInnenbesuch für nicht-deutschsprachige PatientInnen erleichtern, allerdings aus juristischer und ethischer Sicht nicht ganz unproblematisch sind:

1. Mitbringen von Angehörigen als ÜbersetzerInnen in die Ordination. Besonders deutlich wird die Problematik dann, wenn Kinder als ÜbersetzerInnen für die Geschwisterkinder oder die Eltern herangezogen werden.

2. Kommunizieren „mit Händen und Füßen“ Aus rechtlicher Sicht stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, ob der/die Ärztin auf diese Weise ausreichend aufklären kann und der/die PatientIn soweit informiert wurde, dass sie wirksam in die Heilbehandlung einwilligen kann.

3. Einsatz von fremdsprachen-kundige Personen aus dem Wartezimmer. Dies kann einerseits zu einer unangenehmen Situation für den/die PatientIn führen, wenn eine für ihn/sie völlig fremde Person intime Details über Krankheit und Befinden der Person erfährt, andererseits gerät der Arzt/die Ärztin hier in Konflikt mit der Schweigepflicht.

4. Kommunikation via Handy, um mit dem angerufenen Deutsch-Sprachigen über die Diagnose zu sprechen. Neben dem Problem der Durchbrechung der Schweigepflicht und der Frage, ob ein Aufklärungsgespräch wirksam über einen Übersetzer am Telefon durchgeführt werden kann, kommt bei dieser Lösungsstrategie das Problem hinzu, dass durch fehlende Mimik und Gestik das Arzt-Patienten-Gespräch an Qualität leidet.

5. Einstellen von mehrsprachigem Personal. Vielfach werden OrdinationsassistentInnen so ausgewählt, dass sie möglichst die in der Ordination am intensivsten benötigten und in Wien weit verbreitetsten Sprachen (Türkisch, Bosnisch, Serbisch, Kroatisch, Russisch) abdecken. Probleme treten bei dieser Lösungsstrategie vor allem im arbeitsrechtlichen und haftungsrechtlichen Bereich auf.

6. ÄrztInnen erlernen oder sprechen selbst eine Fremdsprachen (eigenen Fremdsprachenkenntnisse, Führen von Vokabelheften mit häufig vorkommenden Fachvokabeln in diversen Sprachen, gezieltes Besuchen von Sprachkursen.

Auffällig ist, dass Wiener KinderärztInnen in keinem Fall professionelle GesundheitsdolmetscherInnen beiziehen. Diese qualitativ hochwertigste und rechtlich und ethisch am unbedenklichste Lösung, scheitert am Kosten- und Zeitfaktor. Zusammengefasst lässt sich festhalten, dass die derzeit in den Wiener Kinderarztpraxen herrschenden Lösungsstrategien, um Sprachbarrieren zu überwinden, zwar den Alltagsbetrieb ermöglichen, sämtliche Ansätze allerdings mit Problemen behaftet sind.

Um einen adäquaten Zugang zum Gesundheitssystem auch für nicht-deutschsprachige PatientInnen zu ermöglichen und den Arbeitsalltag für die Angehörigen der Gesundheitsberufe barrierefrei zu gestalten, wird es nötig sein, Lösungsstrategien auf mehreren Ebenen zu verankern.

 

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