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Studie PatVG

Studie über die rechtlichen, ethischen und faktischen Erfahrungen nach In-Kraft-Treten des Patientenverfügungs-Gesetzes (PatVG)

Laufzeit: 1.12.2006 – 1.12.2009

Projektleitung und Koordination: Ulrich Körtner, Maria Kletečka-Pulker, Julia Inthorn

Wissenschaftliche Projektmitarbeit: Nora Hangel, Tobias Körtner, Carola Neumann

Forschungsschwerpunkt: Medizinsoziologie, Medizinrecht, Medizinethik

Ausgangspunkt:

Schon vor In-Kraft-Treten dieses Bundesgesetzes hat die Patientenverfügung sowohl rechtlich als auch ethisch eine große Rolle im medizinischen Alltag gespielt. Da es keine klaren rechtlichen Vorgaben gab, insbesondere welche formellen und inhaltlichen Standards eine Patientenverfügung genügen muss, gab es zahlreiche ethische und juristische Diskussionen.

Seit 1.6.2006 gibt es nun erstmals das Patientenverfügungs-Gesetz (PatVG), das die Voraussetzungen und die Wirksamkeit von Patientenverfügungen regelt. Aufbauend auf unsere bisherige wissenschaftliche Tätigkeit zum Thema Patientenverfügung, wird im Rahmen dieser Studie die Umsetzung des Patientenverfügungs-Gesetzes aus rechtlicher, ethischer als auch faktischer Sicht untersucht.

Projektziele:

  • Funktion der Patientenverfügung aus der Perspektive der Patienten
  • Praktische Bedeutung von Patientenverfügungen im ärztlichen Alltag
  • Identifikation und Beschreibung allfälliger Probleme bei der Anwendung des PatVG
  • Ethische und rechtliche Reflexionen der Erfahrungen mit der Patientenverfügung  

Projektverlauf:

Das Projekt beleuchtet die Auswirkungen des PatVG von unterschiedlichen Seiten in unterschiedlichen Kontexten. In der ersten Phase wird untersucht, welche Funktion die Patientenverfügung für errichtende Personen hat. Dabei geht es um den Ablauf des Verfahrens, die jeweilige Perspektive der beteiligten Personen und insbesondere Erwartungen und Befürchtungen, die in der Phase des Abfassens von allen Seiten artikuliert werden.

In der zweiten Phase werden die unterschiedlichen Berufsgruppen zu Ihren Erfahrungen mit Patientenverfügungen im medizinischen Alltag befragt. Wie wird die Patientenverfügung in der klinischen Praxis aufgenommen und umgesetzt?

In der dritten Phase wird eine repräsentative bundesweite Erhebung zur Verbreitung der Patientenverfügung durchgeführt. Parallel werden der ethische und rechtliche Diskurs sowie die Entwicklung der Rechtsprechung analysiert.

Abschließend werden die Ergebnisse der ethischen, rechtlichen und deskriptiven Ebene aufeinander bezogen und diskutiert. Die Ergebnisse werden in geeignete Form publiziert und der Fachwelt präsentiert. Zudem werden die Ergebnisse der Untersuchungen in Bezug auf die für eine Gesetzesnovellierung relevanten Fragerichtungen ausgewertet.

Methode:

Wir arbeiten mit Methoden aus der empirischen Sozialforschung, der Rechts- und Geisteswissenschaften.
Mit Hilfe der Teilnehmenden Beobachtung, wird die Patientensicht auf die Errichtungsphase erhoben und auf der Basis der Grounded Theory ausgewertet. Mit Personen, die mit der Patientenverfügung in Berufsalltag zu tun haben, werden Leitfaden-gestützte Experteninterviews geführt. Diese  werden mit Telefoninterviews ergänzt, um einen möglichst breite Kontextualisierung zu erreichen. Die Ergebnisse werden in Reflexion mit WissenschafterInnen aus unterschiedlichen Disziplinen wie Rechts- Geistes- Gesundheitswissenschaften analysiert und dokumentiert.

Die Kombination der Methoden ermöglicht ein besseres Verständnis der Fragestellungen, die sich aus dem Kontext der unterschiedlichen Disziplinen (Recht, Medizin, Ethik, Sozialwissenschaft) ergibt.

Opens external link in new windowDownload der Studie

Publikationen/Presse:
- Artikel PatVG iFamZ Mai/2008
- Julia Inthorn: Wünsche und Befürchtungen von Patienten bei der Errichtung von Patientenverfügungen. Ergebnisse einer Studie zum Patientenverfügungs-Gesetz in Österreich, Bull. Soc. Sci. Med. 3/2008, 429-440.
- Maria Kletecka-Pulker: Grundzüge und Zielsetzungen des Patientenverfügungs-Gesetzes, Bull. Soc. Sci. Med. 3/2008, 289-297.
- Ulrich H.J. Körtner: Patientenverfügungen in Österreich - ethische Diskussionslage, Bull. Soc. Sci. Med. 3/2008, 279-287.
- Ulrich H.J. Körtner: Autonomie am Lebensende - Studie zum Patientenverfügungs-Gesetz
- Zusammenfassung der PatVG-Studie
- Pressemeldungen unter sience.orf.at, dieuniversitaet-online.atpr-inside.com, kathweb.de, kurier.at, evang.at

Materialien:
Pressetext Mai 2008 PatVG Studie
Country Reports on Advance Directives
Advance Directives in Austria 08/2008
Patientenverfügung und Selbstbestimmung - Leitfaden für ÄrztInnen zur Erstellung einer Patientenverfügung
Checkliste Patientenverfügung

Weiterführende Literatur:
Körtner, Ulrich H.J.; Kopetzki, Christian; Kletecka-Pulker, Maria (Hrsg.), Das österreichische Patientenverfügungsgesetz - Ethische und rechtliche Aspekte, Springer 2007. Schriftenreihe Ethik und Recht in der Medizin, Band 1

19.1.2010 Veranstaltung "3 Jahre Patientenverfügungs-Gesetz" Das Institut für Ethik und Recht in der Medizin präsentiert die Ergebnisse der vom Bundesministerium für Gesundheit beauftragten „Studie über die rechtlichen, ethischen und faktischen Erfahrungen nach In-Kraft-Treten des Patientenverfügungs-Gesetzes“. 19.1.2010, 17:00-18:30 Uhr, Seminarraum des IERM (alte Kapelle)

Einladung

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