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Kinderschutzgruppen

Kinderschutz: Medialer Mythos, politische Antworten und die Praxis der Kinderschutzgruppen
Eine explorative Studie zur Arbeit von Kinderschutzgruppen

Laufzeit: 1 Jahr
Projektentwurf: Maria Kletecka-Pulker, Julia Inthorn
Forschungsbereiche: Medizinsoziologie, Medizinrecht, Medizinethik

Ausgangslage:
Kinder sind, um sich optimal entwickeln zu können, auf unseren besonderen Schutz und unsere Hilfe angewiesen. Besonders Kinder, die unter schwierigen Rahmenbedingungen heranwachsen, bedürfen dieses Schutzes, der in einzelnen Fällen nicht durch die Familie sichergestellt werden kann. Vor allem, wenn sie Opfer von Gewalt werden, sind Kinder darauf angewiesen, dass die Gesellschaft diese Schutzfunktion übernimmt.
Kinderschutzgruppen werden tätig, um Kindern, de Opfer von Gewalt wurden, Hilfe und Schutz angedeihen zu lassen. Sie übernehmen dabei als eine Expertengruppe innerhalb eines Krankenhauses eine Schnittstellenfunktion zwischen medizinischem Personal, das einen Verdacht auf Missbrauch bei einem Kind hat, Sozialarbeit, Jugendämtern und anderen Institutionen. Die in den Kinderschutzgruppen aufscheinenden alltäglichen Formen der Gewalt gegen Kinder zeigen die relevanten und gesellschaftlich brisanten Problemfelder von Gewalt an Kindern. Die hier geleistete Arbeit, das angesammelte Expertenwissen und Expertise im Umgang mit Gewalt an Kindern sowie die Sachlage hinsichtlich der Formen von Gewalt und Missbrauch sind Gegenstand der in zwei Teilprojekte unterteilten explorativen Studie.


Teilprojekt I: Entscheidungsstrukturen von Kinderschutzgruppen


Laufzeit
: Februar 2009 – Juli 2010
Projektleitung und Koordination: Maria Kletečka-Pulker, Julia Inthorn
Projektmitarbeit: Katharina Gangl, Silke Huber, Sabine Parrag
Forschungsbereiche: Medizinsoziologie, Medizinrecht, Medizinethik
Finanzierung: Institutsinterne Finanzierung

Zielsetzung:
Ziel des ersten Teilprojekts ist es, den Arbeitsalltag verschiedener Kinderschutzgruppe zu erfassen und darzustellen. Angestrebt wird ein besseres Verständnis der Arbeit der Kinderschutzgruppen hinsichtlich ihrer Expertenstruktur, der Zusammenarbeit mit dem extra- und intramuralen Bereich und der Erfahrungen in der Bearbeitung von Fällen zu erlangen.

Projektverlauf:
Im Verlauf dieses Teilprojekts werden Beobachtungsprotokolle in den Sitzungen verschiedener Kinderschutzgruppen erstellt. Hierdurch sollen der besondere Charakter der Interdisziplinarität der Kinderschutzgruppen und die Struktur des Zusammenwirkens von verschiedenen Fachrichtungen (Medizin, Pflege, Psychologie, Soziale Arbeit) erhoben und der Mehrwert der Zusammenarbeit in einer Expertengruppe analysiert werden. Im Vordergrund steht die Analyse von Prozessen der Entscheidungsfindung in diesem multiprofessionellen Kontext.


Teilprojekt II: Gebündeltes Wissen gegen Gewalt: Die Arbeit von Kinderschutzgruppen

Laufzeit: November 2009 – Dezember 2010
Projektleitung und Koordination: Maria Kletečka-Pulker, Julia Inthorn
Kooperationspartner und Projektleitung: Prof. Friedrich Horak, AKH Wien
Projektmitarbeit: Katharina Gangl, Imre Bárd
Forschungsbereiche: Medizinsoziologie, Medizinrecht, Medizinethik
Finanzierung: Gefördert durch den Wiener Krankenanstaltenverbund

Zielsetzung:
Ziel des zweiten Teilprojekts ist die systematische Auswertung der verschiedenen in Kinderschutzgruppen aufscheinenden Formen von Gewalt an Hand der Falldokumentationen. Darüber hinaus sollen die mit den Fällen verbundenen familiären Problemkonstellationen aufgezeigt und die durch die Kinderschutzgruppen entwickelten Routinen zur Bearbeitung dieser Fälle abgebildet werden.

Projektverlauf:
Die in Kinderschutzgruppen ausgewählter Spitäler besprochenen Verdachtsfälle werden einer systematischen quantitativen Analyse unterzogen. Mittels statistischer Auswertung von Falldokumentationen werden Informationen aus den Fallakten hinsichtlich der Fallbeschreibung, Verfahrenswege und Expertenwissen typologisiert und die darin sichtbaren Dimensionen herausgestellt. Die aufscheinenden Formen von Gewalt, dazugehörigen medizinischen Befunde und die damit verbundenen Entscheidungen hinsichtlich Meldung und Anzeige werden analysiert. Darüber hinaus wird gefragt, welche Personen in den Prozess eingebunden waren, welche Rolle standardisierte Formulare in diesem Prozess spielen und welche Formen von best practice im Umgang mit dem Problem sich auf Grund des Erfahrungswissens der Kinderschutzgruppe herausbilden konnten. Ein besonderer Schwerpunkt soll hierbei auf dem Verhältnis von kommunikativen und kontrollierenden Verfahren liegen.

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